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Ich sehe den Beitrag des Yoga zur Psychotherapie v.a. in der Reflektion und Veränderung des Wahrnehmungsprozesses. Probleme werden nicht auf direktem Weg "weggemacht" oder auf ihre psychologischen Ursachen hin analysiert, sondern grundlegend anders betrachtet. Man lernt, sich nicht mit den eigenen Schwierigkeiten zu identifizieren, nicht in den Problemen zu verschwinden. Statt sich total ausgeliefert zu fühlen, übt man bei sich zu bleiben, während man die eigene Schwierigkeit, das eigene Leiden betrachtet. Man ist nicht das Problem, sondern man hat es!

So kann jemand z.B. während einer Yogastunde seiner aktuellen Schwierigkeit einen Platz im Raum zuweisen, sich dann etwas ganz anderem zuwenden (den Yoga-Übungen) und am Schluss sich der Schwierigkeit wieder bewusst, zentriert, verbunden, präsent zuwenden. Es ist dann quasi jemand anderes, der mit dem immer noch gleichen Problem konfrontiert ist, und derjenige wird nicht überwältigt, sondern erkennt, dass er das Problem nicht ist sondern es nur hat. Das wird die betroffene Person befähigen, sich nicht mehr immer weiter in einen Teufelskreis der schlechten Gefühle hineinzumanövrieren, das Problem nicht mehr weiter unbewusst am Leben zu erhalten. So kann das Problem, wenn es sozusagen seine Schuldigkeit getan hat, gehen.

Durch die innere Arbeit werden tiefere, dem Kern des Menschen nähere Instanzen aktiviert. Man könnte auch sagen: das höhere Selbst fängt an, sich einzumischen. Schritte zur Veränderung, die von diesen Instanzen geplant werden, sind wesentlich erfolgversprechender, als solche, die aus der totalen persönlichen Betroffenheit heraus erfolgen.

Und noch grundsätzlicher: Niemand wird langfristig und dauerhaft glücklich, weil er seine Probleme löst. Solange wir einen Körper und eine Umwelt haben, wird der Strom neuer Schwierigkeiten, der auf uns zukommt, nie ganz aufhören. Eine Chance besteht aber darin, sich mit der inneren Instanz zu verbinden, welche die Schwierigkeiten wach und liebevoll betrachtet, dabei aber selbst unverändert bleibt.

Ich wende Yoga-Elemente sowohl in Einzelpsychotherapien als auch in der Gruppentherapie an. Wie gross die Rolle des Yoga ist und welche konkreten Elemente verwendet werden, hängt ganz vom individuellen Prozess des Einzelnen oder der Gruppe ab. Eingesetzt werden können grundsätzlich die körperlichen Übungen des Hatha-Yoga, Atemübungen, konzentrative Übungen und Betrachtungsweisen aus dem grossen philosophischen und psychologischen Wissensschatz des Yoga.

 

Einatmend bin ich mit allen Wesen … ausatmend bin ich nur eins.